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Wer auf sein Herz hört, kommt schneller
ans Ziel
Laktatanalyse,
Ergospirometrie und Pulsuhren – Leistungsdiagnostik ist kein
Privileg für Profisportler, auch immer mehr Hobbyathleten wollen
ihr Training gezielt optimieren. Wir stellen Ihnen die gängigsten
Methoden der Trainingssteuerung vor.
Kaum schickt der Frühling die ersten Sonnenstrahlen und das
winterliche Schmuddelwetter weicht Temperaturen im zweistelligen
Celsius-Bereich, wimmelt es in Parks und Grünanlagen wieder
von Joggern, Walkern und anderen Trainingswütigen. Denn der
Winterspeck muss weg, der Waschbrettbauch her. Doch Vorsicht: viel
hilft nicht immer viel! Durch ein so genanntes Übertraining
bleiben die gewünschten Erfolge oft aus. Egal ob Abnehmen,
Zunehmen oder der erste Marathon - eine gezielte Trainingssteuerung
hilft dabei, die gewünschten Ziele schnell und sicher zu erreichen.
Im Mittelpunkt der Trainingssteuerung
steht die Pulsfrequenz. Und es ist wohl an der Zeit, mit allgemeinen
Aussagen wie „den optimalen Trainingseffekt erhält man
mit einem Puls von 130!“ oder „nimm 180 minus Lebensalter
und Du erhältst Deinen Trainingspuls!“ aufzuräumen.
Solche Aussagen können lediglich Anfängern eine ungefähre
Orientierung geben. Der persönliche Trainingspuls hängt
von verschiedenen Faktoren ab. Zu diesen gehören neben Alter
und Geschlecht des Sportlers, auch Veranlagung, Trainingszustand,
Medikamente sowie psychische Situationen (Stress, Ärger, Freude).
Jeder Mensch unterscheidet sich grundlegend und reagiert auch anders
auf Umwelteinflüsse; eine allgemeingültige Empfehlung
für den optimalen Trainingspuls kann man also nicht treffen.
Trotzdem ist es wichtig, den richtigen Puls
zu finden. Warum? Viele Hobbysportler laufen Gefahr, sich beim Sport
zu überfordern. Nach dem Motto: wer viel schwitzt, hat viel
getan. Ein zu hohes Tempo kann jedoch kontraproduktiv sein. Eine
gezielte Trainingssteuerung dagegen schützt vor Überlastung
und steigert die Effektivität des Trainings. „Nicht nur
für Leistungssportler, sondern auch für Hobbysportler
ist es wichtig, Intensität, Belastung und Regenerationsphasen
zu planen“, sagt Dr. med. Markus Klingenberg.
Es gibt verschiedene Methoden
der Leistungsdiagnostik, mit denen der individuelle Trainingspuls
für bestimmte Sportarten ermittelt werden kann. Die am weitesten
verbreitete und wohl auch einfachste Methode ist die Laktatanalyse,
die im Profisport mittlerweile zum Standard gehört. Inzwischen
setzen auch viele Hobby- und Breitensportler auf das Testverfahren.
„Gerade zu Beginn einer Trainingsphase würde ich jedem
Hobbysportler eine Laktatanalyse ans Herz legen, da dadurch schon
von vornherein der richtige Trainingsaufwand ermittelt und falsches
Training verhindert werden kann“, empfiehlt Klingenberg.
Saure Muskeln trainieren nicht gerne
Bei der Laktaktanalyse
wird der Proband entweder auf einem Laufband oder einem Fahrradergometer
einem Stufentest unterzogen. Dabei wird schrittweise der Widerstand
erhöht und auf jeder Stufe die Laktatkonzentration im Blut
bestimmt. Hierfür nimmt der Trainer oder Arzt auf jeder Leistungsstufe
am Ohrläppchen einen Tropfen Blut ab. Gleichzeitig wird permanent
die Pulsfrequenz gemessen. Bei zunehmender Belastung kann die Muskulatur
nicht mehr ausreichend Energie über den aeroben Stoffwechsel
(mit Sauerstoff) bereitstellen. Die Energielieferanten Fette und
Kohlenhydrate werden dann teilweise nur noch unvollständig
verbrannt. Jetzt springt vermehrt die so genannte anaerobe Atmung
(ohne Sauerstoff) ein. Dadurch kann der Körper zwar in kurzer
Zeit sehr viel Energie bereitstellen, aber es lagert sich auch das
Stoffwechsel-Zwischenprodukt Laktat in der Muskulatur ab. Das Ergebnis:
die Muskulatur übersäuert langsam und die Leistungsfähigkeit
nimmt ab. Mit dem Laktatstufentest lassen sich wichtige Erkenntnisse
für die Trainingssteuerung ableiten. Mittels Software ermittelt
der Leistungsdiagnostiker den relevanten Trainingspuls für
die gewünschte Sportart und das entsprechende Trainingsziel.
Erst durch die Messung der Laktatkonzentration unter Belastung kann
man verlässliche Rückschlüsse auf den Stoffwechsel
ziehen.
Wer Angst vor der Blutabnahme bei der Laktatmessung
hat, für den gibt es natürlich auch andere Möglichkeiten
der Trainingssteuerung:
Ausgeatmetes CO2: Indikator für
die tatsächliche Belastung
Mittels Ergospirometrie kann man die Leistungsfähigkeit
von Herz und Lunge überprüfen. Genau wie bei der Laktatmessung
absolviert die Testperson einen Stufentest auf einem Fahrradergometer
oder einem Laufband. Die Belastung wird schrittweise von einem Computer-Programm
gesteigert. Je nach Trainingsziel können verschiedene Programme
ausgewählt werden. Mit einer luftdicht schließenden Maske
werden die Atemgase der Testperson gemessen und mit der Raumluft
verglichen. Anhand der ausgeatmeten O2- und CO2-Konzentration kann
der Prüfer auch hier Rückschlüsse auf den Stoffwechsel
ziehen. Die gesamte Untersuchung dauert etwa 20 Minuten und wird
anschließend mit einem Computer ausgewertet.
Ownzone berücksichtigt Tagesform
Der Fitness-Hersteller Polar hat mit Ownzone
ein eigenes Verfahren zur Trainingssteuerung entwickelt. Eine Pulsuhr
mit spezieller Software reicht für das Messverfahren aus. Das
Prinzip liegt in den individuellen Unterschieden der Herzfrequenz.
Da jedes Herz abhängig von verschiedenen Faktoren (Alter, Geschlecht,
Trainingszustand, etc.) unterschiedlich schlägt und auch die
Herzfrequenz jedes einzelnen nicht immer konstant ist (aufgrund
von Stress, Tagesform, Schlafmangel, etc.), ändert sich auch
die aktuelle Tagesform des Trainierenden. Somit lässt sich
die optimale Herzfrequenz nicht pauschal festlegen. Ownzone, also
die „eigene Zone“ bestimmt vor jedem einzelnen Training
den persönlichen aktuellen Herzfrequenz-Trainingsbereich. Der
optimale Trainingspuls wird also jeden Tag aufs Neue ermittelt.
Egal welche Methode man auswählt, mit
objektiven Kriterien lässt sich die Trainingsbelastung genauer
bestimmen, als mit Richtwerten aus einer Tabelle. Wem diese Methoden
dennoch zu aufwendig klingen, für den hat Markus Klingenberg
auch einen Tipp: „Es gilt immer noch, laufen ohne zu schnaufen“.
Was ist eigentlich Laktat?
Laktat (Salz der Milchsäure) ist ein Stoffwechsel-Zwischenprodukt,
das bei intensiver Belastung im Muskel entsteht.
Für jede körperliche Aktivität braucht unsere Muskulatur
Energie. Je nach Intensität stehen verschiedene Stoffwechselprozesse
für die Energiegewinnung bereit. Bei leichter Belastung wird
vor allem durch die aerobe Atmung (mit Sauerstoff) Energie bereitgestellt.
Wenn bei steigender Intensität nicht mehr genügend Sauerstoff
zur Verfügung steht, wechselt der Stoffwechsel vom aeroben
in den anaeroben Bereich. Dabei wird zwar in kürzerer Zeit
mehr Energie freigesetzt, aber die energiereichen Kohlehydratverbindungen
werden nicht mehr vollständig verbrannt. Stattdessen lagert
sich Laktat in der Muskulatur an. Die Muskeln übersäuern
zunehmend und die Leistungsfähigkeit fällt stark ab. Wird
die Laktatkonzentration im Blut unter Belastung gemessen, kann man
darüber Rückschlüsse auf den Stoffwechsel ziehen.
Laktat ist der beste Indikator, um die Ausdauerleistungsfähigkeit
objektiv zu beurteilen.
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